Wenn der Rausch verflogen ist

Wir hatten eine geile Zeit. Wir fuhren und flogen von einem Highlight zum nächsten, oder vielmehr von einem Extrem ins andere. Denn wenn wir unsere letzten Jahre mal an uns vorbei fliegen lassen, dann waren wir doch nur noch high. Berauscht vom Fußball unserer Elf, vollkommen begeistert wenn man auf die neuen Möglichkeiten blickte, verzückt und verliebt in die neuen Fohlen.

Da wurde die Liga in einem wahnsinnigen Endspurt gehalten, der Schwung dieses Erlebnisses führte uns bis an die Tore der Championsleague, diese erreichten wir dann auch wenig später. Manchester, Sevilla, Turin, Barcelona, Glasgow…überall eroberten wir die Kneipen und Stadien und es war einfach geil. In der heimischen Liga waren die Bayern in ihrer Arena, Bremen im Weserstadion plötzlich schlagbar, ja man fuhr mit breiter Brust in die Fremde und kam oft genug mit einer noch breiteren Brust zurück.

Als wir dann zuletzt durch Europa fuhren, machten wir urplötzlich in der heimischen Liga schlapp, Barcelona im Kopf und Augsburg im Stadion, das lief nicht mehr. Wir fielen von einem Extrem ins andere und waren doch irgendwie in einer Zwischenstellung. Europa und gleichzeitig Abstiegsangst. Extreme. Extreme durch die man lebt, durch die man den Fußball noch stärker spürt. Gefühle die für Zusammenhalt sorgen, man fiebert auf einem anderen Niveau mit, es geht im was. Um Europa, um die Existenz, es gibt ein Ziel. Dann wieder der Aufschwung, plötzlich das Pokalfinale zum greifen nahe, Europa in Sichtweite, aber leider ging es daneben. Aber, die Stimmung war positiv, dann eben nächstes Jahr, Emotionen tragen uns.

Das neue Jahr beginnt, Derbysieg, läuft gleich mal gut an, jetzt wird angegriffen. Leider versagen oft die Nerven, es werden zu viele einfache Punkte liegen gelassen, die Konstanz fehlt, es geht immer weiter ins Niemandsland der Tabelle. Die Luft ist bereits einige Spieltage vor Schluss raus. Und da ist die Stimmung, nicht Fisch nicht Fleisch, eben kein Extrem. Das Ziel, irgendwie noch würdig aus der Saison kommen, aber eigentlich liegen die Emotionen eher brach. Jede Woche die gleichen, wenig inspirierenden Auftritte einer Elf ohne Mumm, Tempo und Spielwitz. Welch ein Abschwung. Man fragt sich dann doch, wollen die da unten nicht, oder können sie es nicht? Am Ende sind wir auf den Rängen machtlos und dieses Gefühl ist das was die Stimmung kippen lässt. Nicht das wir zu wenig Punkte haben, nicht das wir zu hause gegen den BVB verlieren, nein, weil die Art und Weise der Spiele einfach nicht passt. So darf eine Borussia aus Mönchengladbach einfach nicht spielen. Die 3 Punkte gegen Berlin waren mehr als glücklich und ich freue mich darüber, aber warum wird ein Fußball gespielt, der auf dem Rasen und auf den Rängen alle einschläfert?

Die beinahe gleichen Protagonisten haben doch gezeigt das es anders geht. Es fehlt der letzte Biss und das letzte Fünkchen Motivation. Ja, sie machen alle ihren Job, aber seinen Job machen reicht nicht, wenn der Gegner eben diese Extrameter macht, die dann selbst fehlen.

Max, hat im Sportstudio ja bereits eingeräumt das es Fehleinschätzungen gab, was den aktuellen Kader betrifft. Das zeigt, das unsere Verantwortlichen sich der Situation bewusst sind und sicher versuchen werden diese Fehler nicht ein weiteres Mal zu machen. Das ist ein Zeichen von Größe, in diesem auf Außendarstellung reduzierten Geschäft. Borussia ist ein normaler, menschlicher Club und wird es hoffentlich noch lange Zeit bleiben. Wenn man unsere handelnden Personen in Ruhe arbeiten lässt wird es auch wieder in die richtige Richtung gehen.

Der Rausch ist endgültig vorbei, der Kopf tut weh, aber wir wollen doch alle das geile Gefühl wieder haben. Feiern wir uns, wenn die 11 auf dem Platz es nicht schafft den Funken überspringen zu lassen, wir sind immer da und wir haben diese Saison sicher Alles gegeben und jeden Beifall verdient. Freuen wir uns auf positive Extreme.

 

Kaktus

2 Kommentare zu „Wenn der Rausch verflogen ist

  1. Eine gute Darstellung des emotionalen Auf und Ab der letzten Jahre. Auf eine Abrechnung mit dem Pöbel von Samstag wurde verzichtet. Ich denke auch, dass man Europa nicht erwarten kann, aber mit Stindl, Sommer, Ginter und Kramer haben wir echte Charaktere, mit denen wir weiter bauen können. Hoffen wir auf neue Hypes, gerne schon in München am Samstag.

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    1. Hallo Christoph,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe bewusst auf eine Beurteilung der Vorgänge vor der Kurve verzichtet. Ein Kommentar würde zu einer grundsätzlichen Diskussion über unsere Fanszene und über die die denken sie zu repräsentieren führen. Zur Zeit muß sich jeder im Verein neu finden, die Landung nach den Jahren des Rausches ist hart.

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