50+1… das kommt darauf an

22.03.2018, die DFL lud zu ihrer Mitgliederversammlung zu der die Clubs der 1. und 2. Bundesliga eingeladen waren. Im Vorfeld wurde bereits viel darüber diskutiert, ob bereits an diesem Tag eine Entscheidung zum Erhalt oder der Abschaffung der 50+1 Regel getroffen wird. Die Faninitiative *50+1 bleibt* überreichte in diesem Zusammenhang dem Ligapräsidenten Reinhard Rauball eine Petition für den Erhalt der 50+1 Regel.

Die Planungen für die Versammlung sahen vor, das lediglich über das mögliche Verfahren diskutiert werden soll, wie die Regel überprüft und eventuell angepasst oder abgeschafft werden soll. Umso überraschender als vermeldet wurde, das der FC St.Pauli einen Antrag zum Erhalt der Regel eingebracht hatte und dieser in Mehrheit angenommen wurde, der Tenor war….50+1 bleibt, ein starkes Signal der Liga gegen die Abschaffung.

Wenn man sich die Entscheidung aber genau ansieht, dann fallen aber folgende Aspekte auf. Erstens, wurde nicht der Erhalt der 50+1 Regel in der jetzigen Form beschlossen, es wurde festgelegt, dass sie grundsätzlich beibehalten werden sollte, jedoch auf ihre Rechtssicherheit überprüft wird und gegebenenfalls dementsprechend angepasst werden soll. Zweitens, ist das Signal der 1. und 2. Bundesliga alles andere als stark, wenn sich gerade mal 18 Mitglieder für diese Regelung einsetzen und der Rest mit Enthaltung und Gegenstimmen glänzt. Bei einem solch wichtigen Thema, das die Zukunft der Ligen in fundamentaler Weise bestimmt, ist das Signal schwach, es geht in die richtige Richtung, zeigt aber, das es um die Solidarität im Ligaverband nicht wirklich gut bestellt ist. Denn um was geht es hier? Geld, Macht und Erfolg. Genau bei diesen Themen hören Freundschaft, Familie und Solidarität auf. Man kann sich an einer Hand abzählen was passieren wird, wenn die Regelung der gerichtlichen Überprüfung nicht standhält.

Zur Erinnerung, eine solche nicht dem EU-Recht konforme Regelung gab es bereits schon einmal. Damals wurde durch das sogenannte Bosman-Urteil ein an sich gut funktionierendes Transfersystem gekippt. Am Ende interessiert sich keiner dafür ob das 50+1 System gut funktioniert hat. Es handelt sich bei den Clubs, die faktisch zum Großteil Kapitalgesellschaften sind um Wirtschaftsunternehmen. Jeder Macher in einem solchen Unternehmen möchte sich und dem Unternehmen eine Ausgangsposition verschaffen die der der anderen Clubs überlegen ist. Was liegt also näher als sich einem Investor zu öffnen, der dies erlaubt. Handelnde Personen sind Menschen, Menschen haben individuelle Antriebe für ihre Handlungen und daher ist davon auszugehen, das sich zumindest eine Person, oder Club gegen diese Regelung stellt und sie gerichtliche überprüfen lässt.

Das der DFB als Regelgeber sich diesem Urteil beugen würde ist auch klar, die DFL würde nachziehen und die 50+1 Regel wäre Geschichte. Es reicht ein fauler Apfel in der Gruppe um alles zu Fall zu bringen. Daher ist die Anzahl der Clubs die sich nicht für den Erhalt der 50+1 Regel ausgesprochen haben erschreckend, denn jede dieser Stimmen ist eine potentielle Stimme, die sich vor Gericht Gehör verschafft. Die Vertreter dieser Clubs sind nun auch an dem Entwicklungsprozess zur Erlangung der Rechtssicherheit beteiligt, wenn man da nicht das Bild vom Wolf im Schafspelz vor Augen hat.

Das jetzt eingeleitete Verfahren ist ein kleiner Strohhalm an den sich unsere Fanseele halten kann. Als Jurastundent lernst du in deiner ersten Vorlesung, das wenn du auf den Ausgang eines Verfahrens angesprochen wirst es nur eine Antwort gibt: Es kommt darauf an… . Ich selbst kann mir nicht vorstellen, das die jetzige Regelung vor dem EuGH bestand hätte und hoffe das es einen Weg gibt diese Regelung ohne zu viele Ausnahmen gesetzeskonform zu machen, denn eines ist klar, mehr Ausnahmen, mehr Möglichkeiten 50+1 zu umgehen, brauchen wir nicht. Eher eine striktere Auslegung und eine Beendigung der Ausnahmeregelungen für Leverkusen, Wolfsburg, RBL, 1899…. eine weitere Aufweichung bedeutet faktisch das Ende der Regelung.

Vielleicht ist es eine natürliche menschliche Regung, das man immer davon ausgeht, das man selbst alles besser macht. Wie sonst kann es sein, das die mahnenden Beispiele aus anderen Ligen und Sportarten ignoriert werden und Möglichkeiten geschaffen werden ähnliche Verhältnisse zu schaffen. Am Ende heißt es dann wieder: Ja, das konnten wir nicht ahnen. Doch kann man man, wenn man sich von dem Grundsatz: höher, schneller, weiter verabschiedet und auch natürliche Grenzen annimmt.

Niemand möchte hören, das das Franchise Borussia Blau Weiß Mönchengladbach sich einen neuen Standort im Osten der Republik sucht, da dort die Absatzmöglichkeiten höher sind. In den USA ist sowas möglich. Klar ist die Vorstellung lustig, das ein Investor sich Schalke 04 kauft und erstmal die Farben in schwarz-gelb ändert, aber das wäre auch nur ein Lacher für knappe 5 Sekunden, denn genau das ist etwas was nie passieren darf. Clubs und Fans haben eine Identität, eine Verbindung, Emotionen, etwas das unbezahlbar ist. Dafür müssen wir weiter kämpfen.

Zum allgemeinen Thema, kopiere ich hier noch einen Text mit freundlicher Genehmigung von Graham Agg ein. Er hat 2017 bereits einen offenen Brief an uns deutsche Fans verfasst. Er weiß wie sich die Investorenflut auf den britischen Fußball ausgewirkt hat, denn er ist Fan des FC Liverpool.

Kaktus

Eine offener Brief aus Liverpool, England an ALLE deutsche Fussball Fans……..

Eine Verwarnung fuer alle deutsche Fussball Fans – ich habe dass hier in Liverpool gesehen – jetzt manchmal kaum eine stimmung im Stadion. Echte Liverpool FC Fans koennen jetzt kaum die Eintrittskarten leisten. Viele Touristen aus die ganzen Welt im Stadion aber viele die üeberhaupt nichts vom Fussball verstehen.

Meine Liverpool FC Dauerkarte hat ja dieses Jahr £869.00 Englische Pfund gekostet – ungefaehr 1100 Euro. Ich habe eine Liverpool FC Dauerkarte seit 1989, war von 1982 bis 1989 auf die Dauerkarte Warteliste vor ich habe ja meine Dauerkarte bekommen. Jetzt warten ueber 71000 Leute auf die Dauerkarte Warteliste und die Wartezeit jetzt in Liverpool ist über 20 Jahren.

Pass aber bitte mal auf, deutsche Fussball müssen unbedingt NICHT in die gleiche richtung fahren wie Englische Fussball. Hier in England jetzt ist Fussball leider nur ein Geschäft – traurig aber ja die wahrheit.

Deutsche Fussball Fans (von alle Vereine) müssen allerseits ihre Fussball gegen reiche Ausländer Geschäftsleute (hier in England heissen die die sogenannte „Fat Cats“) verteidigen – wenn nicht dann ist die Zukunft des Deutsches Fussballs genau wie hier in England – dass langsam stirbt.

Die deutsche Regel „50+1“ müssen Sie vor allem streng verteidigen, die Geschäftsleute interessiert die nicht für Fussball, nur für GELD…….und viel Geld, Gewinn ist alles, die Fans sind nichts, die wurde ja lieber Fussball vor leere Stadien sehen weil das echt Geld kommt nicht vom Fussball Fans sondern von Weltweit Fernsehen & Live übertragungen, usw..

Also, pass bitte mal auf, bitte verteidigen ihre super deutsche Bundesliga, da kann mann immer noch Fussball anschauen für ein billig & günstig Eintrittskarte preise, Biere im Stadion Sitzplatz trinken (hier in England ist dass ja streng verboten!!!) und kleine Kinder koennen immer noch Tickets leisten (hier in England koennen die überhaupt nicht).

BITTE AUFPASSEN…………..

(Graham Agg, Liverpool, England)

 

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