Der Videoassistent. Ein Pro und Contra

Da ist er nun seit einiger Zeit, der Videoassistent. Fairer soll er den Fußball machen, den Schiedsrichtern ein Hilfe sein, Verfehlungen minimieren. Heute hat sich Attila neben mir ein paar Gedanken zu diesem neuen Hilfsmittel gemacht über das sicher schon jeder diskutiert hat.

Pro

VAR…

das Thema der ersten Wochen der neuen BuLi-Saison.

Nein, nicht die Vereinigten Arabischen Emirate sind gemeint sondern der
Video-Assistant-Referee

Was wurde im Vorfeld dazu diskutiert, aber im Nachhinein, nicht zu vergleichen mit den Diskussionen die wir jetzt haben.

Eins zu Beginn, ich bin PRO Videobeweis, allerdings nicht in der Form in der er Momentan angewendet wird.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es unseren Sport auf Dauer fairer macht.
Als Beispiel hierfür hat für mich der Treffer von T. Henry hergehalten, der dafür gesorgt hat, dass Frankreich damals zur WM fahren durfte und nicht Irland, Seit kurzem kann man aber auch das Thomas-Helmer-Gedächtnis-Tor von Panama heranziehen.

Bei beiden wäre mit Videobeweis eine gerechte Entscheidung getroffen worden und nebenbei betrachtet geht es ja leider vor allem um teilweise horrende Summen (Sponsoren, Werbung, Prämien usw.)

Allerdings ist die Art und Weise wie es Momentan in der BuLi angewendet wird viel zu unklar.

MM nach müsste man die Entscheidung ob Videobeweis oder nicht, in die Hände der Trainer legen und dann auch nur 1x pro HZ allerdings nur bis zur 85. Minute. Danach kann dann nur noch der Schiri den Videobeweis anfordern wenn er sich unsicher ist.

Wo wir beim, in meinen Augen, gravierendsten Fehler sind. Der Schiri sollte direkt und unmittelbar an den Bildschirm laufen und sich die Szenen anschauen und nur wenn er zu dem Entschluss kommt, dass seine Entscheidung eine „klare“ Fehlentscheidung war, darf er diese zurücknehmen.

Eins der größten Argumente der Macher, von DFL und DFB, war ja die Tatsache, dass dadurch die Fans am Montag nichts mehr zu diskutieren hätten, ist auf jeden Fall definitiv widerlegt.

In dem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass Entscheidungen gegen unsere Freunde aus der verbotenen Stadt, nie eine Fehlentscheidung sind.

Lassen wir uns Überaschen wie es weitergeht.

 

Mit s-w-g Grüßen

Attila

BFC Borussen Knights

 

Contra

Juli 1966, Wembley Stadion London es läuft die 101. Minute, nach einer Hereingabe überwindet Hurst den deutschen Torwart Tilkowski und schießt den Ball aus kurzer Distanz an die Unterlatte, von da springt er… ja wohin eigentlich?

Im Sommer 1986 führt die „Hand Gottes“ im Spiel Argentinien gegen England den Ball hinter die Linie. Argentinien wird am Ende im Finale gegen Deutschland Weltmeister.

Beides sind Ereignisse auf dem Fußballplatz die die Geschichte des Fußballs geprägt haben. Unzählige Diskussionen und Analysen beschäftigten die Fan- und Expertenwelt und das alles ausgelöst von Fehlentscheidungen beziehungsweise durch nicht gesehene Verfehlungen.

Für den ersten Fall wurde vor einiger Zeit erst die Torlinientechnologie eingeführt, eine technische Neuerung die hervorragend funktioniert und auf Grund der Schnelligkeit des Spiels und der Fluggeschwindigkeit des Balles nötig ist. Denn am Ende geht es im Fußball um Tore und diese Technik verhilft zur Klarheit.

Die „Hand Gottes“ wäre mit dieser Neuerung nicht erkannt worden. Für einen solchen Fall ist der Videoassistent seit dieser Saison in einer Testphase im Einsatz. Die Fernsehbilder hätten hier Aufschluss gegeben, der Assistent hätte den Hauptschiedsrichter informiert und das Tor wäre wohl zurückgenommen worden.

Aber wäre das sicher? Nein. Die Schwachstelle beim Videoassistent ist wieder einmal der Mensch. Vor dem Monitor sitzt eine Person, bald ja zwei, die dem Hauptschiedsrichter ins Ohr flüstern, wenn etwas nicht korrekt gelaufen ist und ein Eingriff nötig ist. Nur die Definition wann das so ist, reicht noch lange nicht aus, denn der Videoassistent entscheidet dies trotzdem selbst. Was ist eine klare Fehlentscheidung und was nicht? Eine Frage die in jeder Situation von mehreren Personen sicher nicht einheitlich beantwortet wird. Daher ist es also ausschlaggebend für die Entscheidungsfindung, wer da vor dem Monitor sitzt. Es ist also eine rein individuelle Entscheidung wie diese Definition ausgelegt wird. Auslegungssache bedeutet aber immer eine Grauzone und Interpretationsspielraum. Eine Fehlerquelle.

Also, was wäre jetzt mit der „Hand Gottes“? Ohne Frage eine Situation für einen Eingriff, oder?  Maradonna und Shilton steigen beide hoch zum Ball, Maradonna spielt den Ball mit der Hand, oder fällt der Ball auf die Hand? Absicht oder keine? Wer hat das Handspiel gesehen? Nur die Spieler auf dem Platz, denn wer sich die Mühe macht den Originalkommentar der TVausschnitte zuzuschalten wird merken, das der Fernsehreporter selbst nach 2 Wiederholungen noch der Meinung ist, das sich die Proteste auf eine Abseitsposition Maradonnas beziehen.

Wäre das Tor also aberkannt worden. Ja vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Es gibt keine klare Tendenz. Hättet ihr es sofort erkannt?

Die technischen Möglichkeiten  sind heute weitaus besser und doch darf bezweifelt werden, das die menschliche Fehlerquelle ausgeschaltet werden kann. Vielmehr schafft diese Regelung mit dem Mann im Ohr Unsicherheit. Unsicherheit für den der auf dem Platz steht, der sich auf ein Urteil aus Köln verlassen muss, der seine eigene Entscheidung permanent hinterfragt sieht, der seine Position selbst schwächt, wenn er in die Reviewarea geht. Wenn man sich das Verhalten der Spieler ansieht, wird das Bedrängen der Schiris nach strittigen Entscheidungen immer schlimmer und schärfer. Wer folgt noch dem Mann mit der Pfeife, wenn er weiß der eigentliche Chef und Entscheidungsbevollmächtigte sitzt in Köln?

Die Schiris sind nur noch Marionetten, die ferngesteuert werden. Bei dieser Art der Entscheidungsfindung sind Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Man muss sich dann fragen, warum werden ähnliche Situationen in 2 Spielen unterschiedlich beurteilt und vom Videoassistenten beeinflusst? Warum greift der eine Assistent bei der Vergabe von gelben Karten ein, der andere nicht?

Muss man sich dann die Frage stellen, ob der Videoassistent vielleicht persönliche Vorlieben bezüglich eines Spielausgangs hat? Was ist wenn er seinen Kollegen auf dem Platz eh für eine Lusche hält? Lässt er ihn dann absichtlich mies aussehen?

Ich bin ganz klar gegen den Videobeweis. Ich diskutiere gerne nach dem Spieltag, aber bitte wieder über Szenen die uns im Spielfluss den Atem genommen haben und nicht welche die nach minutenlanger Unterbrechung getroffen wurden und trotzdem fragwürdig sind.

Ein aktuelles Beispiel was die Absurdität des Videoassistenten aufzeigt ist das Foul von Vidal im Pokalspiel gegen Leipzig. Wie viele Experten und Schiedsrichter beurteilen diese Situation an der Strafraumkante anders? Was hättet ihr geurteilt?

Gebt den Schiris auf dem Platz wieder ihre Hoheitsmacht. Schafft den Videoassistenten ab. Er macht das Spiel nicht fairer, er nimmt ihm den Fluss und die Emotionen. Der Schiedsrichter auf dem Platz fällt die Entscheidung, nicht einer der in Köln im Darkroom sitzt. Der Fußball lebt aus seiner Emotion, Emotionen werden situativ geschaffen, nehmt uns das nicht auch noch, lasst den Fußball leben und nicht zu einem sterilen Videospiel verkommen.

Kaktus

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